Über mich

Ich bin Diplom-Fotodesigner und Journalist und seit 1996 selbständig, war Barkeeper, Schichtarbeiter und Zeitungs-Redakteur bevor ich Fotografie und Kommunikationsdesign in Paris und Darmstadt studierte und als Fotograf bekannt wurde. Später habe ich die Bildsprache von Unternehmen wie Siemens, Audi und den Helios Kliniken entwickelt und arbeitete für Magazine und Zeitungen, darunter Brand Eins, die Zeit, Allegra, Max, Brigitte und Qvest. Meine stille Fotografie gewann zahlreiche Preise und Auszeichnungen, meine künstlerische Arbeit wird in Galerien und Museen ausgestellt. Ich verstehe mich als ein Diener des Schönen, der die liebevollen Momente und das schöne Leben auf seinem Blog teilt und feiert.


Ein Interview

Michèle Roten (Das Magazin) im Gespräch mit dem Künstler
Thomas Leininger (*1964, lebt und arbeitet in Palma und Berlin)

Es läge eigentlich nahe, sich von Thomas Leiningers Bildern inspirieren zu lassen. Einen Text zu schreiben, der versucht, den eigentümlichen Sog dieser Fotografien einzufangen. Man würde Wörter verwenden wie „tagträumerisch“, „schwerelos“. Konstruktionen wie „leuchtend und licht“. „Unangestrengte Verführung“. „Gnädige Unschärfe“. Aber man könnte auch einfach mal den Künstler zu Wort kommen lassen.

Michèle Roten: Wenn ich Deine Bilder anschaue, fühle ich mich wie ein Voyeur. Da ist diese Verschwommenheit, als ob mich nur ein Vorhang von den Frauen trennen würde und die Posen, so alltäglich-intim. Und meine Gefühle dabei schwanken zwischen Scham und Freude. Wie hältst Dus mit dem Voyeurismus?

Thomas Leininger: Etwas zu beobachten, das eigentlich nicht für meine Augen bestimmt scheint, ist besonders aufregend. Ich liebe diese beiläufige, leise Art, etwas zu entdecken auch im Alltag.

Wie pervers fühlt es sich eigentlich als Fotograf an, etwas unscharf zu fotografieren? Ist die Kamera doch ein Mittel für grösstmögliche Genauigkeit.

Es ist wunderbar. Die Zeit der neuen Sachlichkeit, der seelenlosen Selbstentblößung und Schamlippen-Diarys in der Fotografie und Kunst langweilte mich. Das ist beeindruckend auf den ersten Blick, doch ohne Bestand und zum anderen hässlich-kalt zur Schau getragene Eitelkeiten einer Ich-bezogenen Spassgesellschaft. Mich interessiert nicht das Konkrete, sondern eine abstrakte, visuelle Figur. Ein traumhafte Verkörperung von erotischen Wünschen. Kein Pink-Shot, keine Ware, kein Fleisch, sondern das Gefühl, die Wahrheit, die Liebe.

Auch meine Empfindung: Deine Fotografien sind eher Vorstellung als Abbildung. Kann man eigentlich sagen: Dir ist die Welt zu scharf? Wünschst Du Dir mehr Verschwommenheit, Uneindeutigkeit im Leben, in der Gesellschaft? Bist du ein Freund des indirekten Wegs?

Ja, größtenteils, zumindest dort, wo der Blick aufs Wesentliche verstellt ist – in den Städten. Zu viele Menschen, zu wenig Platz. Wo es eng ist, fehlt auch im Allgemeinen der Weitblick, die Träume. Nur Begrenzungen, Menschen, Häuser, Gestank und vor allem Lärm. Meine Bilder kämpfen für mehr Schönheit, für Sinnlichkeit, für Ruhe, für Einkehr. Ich male Bilder mit der Kamera, bestimme den Ort, die Zeit, das Outfit und Atmosphäre. Bin still, drücke auf den Auslöser. Und wähle beim Sichten des Materials die zufälligen, alltäglichen Posen aus. Wie das wahre Leben. So sieht’s aus.

Und die Frauen sehen alle wunderschön aus. So ganz im populär-normativen Sinn: Sie sind schlank, und – soweit man das erkennen kann – sehr hübsch. Warum hast du nur solche Ideale in diesen Reigen aufgenommen?

Die Bilder entsprechen meinen Vorstellungen, meinem Bild von Frau, das ich momentan formal am schönsten finde. Meine Art sie unscharf zu fotografieren, macht diese, ja alle Frauen etwas schlanker als sie tatsächlich sind. Ich seh sie mir sozusagen zurecht, ich mache sie zum Ideal. Ich habe aber auch schon weitaus dickere Frauen so fotografiert – sie gefielen sich dann auch sehr. Der nächste Zyklus, mit dem ich bereits begonnen habe, zeigt kaum wahrnehmbare, dunkle Akte. Sie erzählen, so hoffe ich, mehr von der Nacht, vom Tod. Und zeigen auch ältere Frauen. Und Männer.

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen dem Fotografieren von Frauen und Männern?

Ich finde Frauen spannender als Männer. Männer brauchen meiner Erfahrung nach länger, sich einzulassen, sich zu zeigen, sie schützen sich gerne, sind verunsichert, sind weniger intuitiv und denken viel nach.

Wann ist für Dich eine Frau schön?

Wenn sie bei sich ist. Sich wohl fühlt in ihrer Haut. Wenn sie strahlt. Sich selbst liebt. Wenn sie sich verschenkt. Wenn sie sich hingibt. Hingabe ganz allgemein ist schön. Selbstliebe und Hingabe, ja.

Was treibt dich künstlerisch an?

Es ist immer wie das Leben selbst: Ich bin auf der Suche nach innerer Ruhe, nach vollkommener Zufriedenheit. Am Anfang, beim Fotografieren wie im Leben, steht dabei immer die Aufregung, die erotische Neugier. Sie treibt mich an. Und wenn ich es finde bzw. es mich findet, kommt die Ruhe. Die Ent-Spannung. Das Gefühl, ein gutes Bild gemacht zu haben, ist wie ein stimmiger Klang. Ein Dreiklang aus Form, Farbe und Gefühl.

Was ist ein gutes Bild?
Ein gutes Bild berührt, regt uns auf und/oder macht uns ruhig. Es erzählt vom Leben oder vom Tod.